Schmuck: Muscheln

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Muschelschmuck ist Schmuck, der in erster Linie aus Muscheln ist, also aus Schalen von Meeres-Mollusken. Muschelschmuck ist eine Art von Schalen-Handwerk. Eine weitverbreitete Form des Muschelschmucks sind Halsketten, die aus einer großen Anzahl von Perlen zusammengesetzt sind, wobei jede einzelne Perle eine ganze (aber durchbohrte) Schale einer kleinen Meeresschnecke ist.

 

Geschichte

Der älteste bekannte Schmuck der Welt besteht aus zwei durchbohrten Perlen aus Schalen der Meeresschnecke Nassarius gibbosulus. Diese Perlen wurden bei Skhul in Israel entdeckt, und wurden vor kurzem auf ein Alter von 100.000 bis 135.000 Jahre datiert.[1][2] Ähnlicher Schmuck (aus Schalen der Nassarius kraussianus und der bittersüßen Muschel Glycymeris nummaria, sowie aus Nassarius gibbosulus) wurde bei einer Reihe von Plätzen der Mittleren Altsteinzeit entdeckt und gelten als eine der wichtigsten Beweismittel für die Theorie, dass frühe anatomisch-moderne Menschen in Afrika und der Levante kulturell weiter entwickelt waren, als bisher angenommen wurde.[3][4][5] In einigen Fällen wurden die Muscheln von weit her transportiert, wo ihr natürlicher Lebensraum war. Ein Beispiel ist die Stätte von Oued Djebbana in Algerien, wo zum Beispiel eine N. gibbosulus Perle gefunden wurde; diese Muschel wurde 190 km vom Meer entfernt gefunden.[2]

Muschelschmuck war während der Altsteinzeit sehr häufig, also ab 50.000 bis 40.000 Jahren, und verbreitete sich mit dem modernen Menschen in Europa und Asien. Er hatte in der Regel die Form von perforierten Schalen (sowie andere harte organische Materialien wie Zähne, Knochen, Horn und Mammut-Elfenbein), die vermutlich aufgehängt und als Schmuck verwendet wurden. Die am häufigsten vorkommenden Arten sind Homalopoma sanguineum, Littorina obtusata, Cyclope Arten, Nassarius mutabilis und Nassarius gibbosulus. Fossile Muscheln wurden zusammen mit denen zeitgenössischer Spezien verwendet. Einige Muscheln wurden mit Ocker gefärbt. In Europa wurden die Muscheln der Spezien des Atlantischen Ozeans und des Mittelmeers verwendet, und zirkulierte wieder über Entfernungen von Hunderten von Kilometern.[6]

 

Arten

Zahlreiche andere Arten von Muschelschmuck werden hergestellt, einschließlich Armbänder und Ohrringe. Gelegentlich wird Muschelschmuck auch aus den Schalen von Landschnecken[1], oder Schalen von Süßwasser-Mollusken gemacht.

Beim Muschelschmuck verwendet man auch die Schalen von Venusmuscheln (Bivalven). Nicht jeder Muschelschmuck wird aus ganzen Muscheln gemacht; einige Arten werden aus Teilen der Schalen hergestellt, einschließlich dem Perlmutt.

In letzter Zeit wird kostengünstiger Muschelschmuck oft in tropischen Urlaubszielen den Touristen zum Verkauf angeboten, als lässiges Accessoires oder als Souvenir. Allerdings hat der Muschelschmuck eine Geschichte, die weit zurückgeht und ist in der Archäologie und Anthropologie von sehr großer Bedeutung. Muschelperlen sind die älteste bekannte Form von Schmuck und es gab ihn bereits vor über 100.000 Jahren.

 

Quellen

[1] Balter, M. (Jun 2006). „Archaeology. First jewelry? Old shell beads suggest early use of symbols.“. Science 312 (5781): 1731. doi:10.1126/science.312.5781.1731. ISSN 0036-8075. PMID 16794051
[2] Vanhaereny, M.; d’Errico, F.; Stringer, C.; James, S. L.; Todd, J. A.; Mienis, H. K. (2006). „Middle Paleolithic Shell Beads in Israel and Algeria“. Science 312 (5781): 1785–1788. doi:10.1126/science.1128139. PMID 16794076
[3] d’Errico, F.; Henshilwood, C.; Vanhaeren, M.; Van Niekerk, K. (2005). „Nassarius kraussianus shell beads from Blombos Cave: Evidence for symbolic behaviour in the Middle Stone Age“. Journal of Human Evolution 48 (1): 3–24. doi:10.1016/j.jhevol.2004.09.002. PMID 15656934
[4] Bouzouggar, A.; Barton, N.; Vanhaeren, M.; d’Errico, F.; Collcutt, S.; Higham, T.; Hodge, E.; Parfitt, S. et al. (2007). „82,000-year-old shell beads from North Africa and implications for the origins of modern human behavior“. Proceedings of the National Academy of Sciences 104 (24): 9964. doi:10.1073/pnas.0703877104
[5] d’Errico, F.; Vanhaeren, M.; Barton, N.; Bouzouggar, A.; Mienis, H.; Richter, D.; Hublin, J. -J.; McPherron, S. P. et al. (2009). „Out of Africa: Modern Human Origins Special Feature: Additional evidence on the use of personal ornaments in the Middle Paleolithic of North Africa“. Proceedings of the National Academy of Sciences 106 (38): 16051. doi:10.1073/pnas.0903532106
[6] Fernández, Esteban Álvarez; Jöris, Olaf (2007). „Personal Ornaments in the Early Upper Paleolithic of Western Eurasia: an Evaluation of the Record“. Eurasian Prehistory 5 (2): 31–44.

Author: Lukas Steiner on 23. Juni 2013
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