Schmuck: Eisen

Der Berliner Eisenschmuck bezieht sich auf Schmuckstücke aus Gusseisenschmuck, die während des frühen 19. Jahrhunderts in Deutschland hergestellt wurden.[1] Die Material-Schlichtheit, der „spröde“ Charakter und die klaren Konturen entsprachen den bürgerlichen Vorstellungen dieser Zeit nach Beständigkeit, Bescheidenheit und Zurückhaltung.

Geschichte

Die Wurzeln des Berliner Eisenschmucks können bis zur Gründung der Königlichen Eisengießerei bei Berlin im Jahre 1804 zurückverfolgt werden. Die Königliche Eisengießerei bei Berlin begann mit der Herstellung von Eisenwaren wie Vasen, Messerständer, Leuchter, Schalen, Plaketten und Medaillons, sowie kommerzielleren Gegenständen, wie Zäune, Brücken und Gartenmöbel. Die ersten Schmuckstücke, wie lange Ketten mit eingegossenen Verbindungen, wurden im Jahre 1806 produziert. Später wurden Halsketten und Medaillons mit Verbindungen und Draht-Mesh hergestellt.[1]

Die Produktion von Eisenschmuck erreichte ihren Höhepunkt zwischen 1813 und 1815, als die preußische Königsfamilie während der Befreiungskriege an alle Bürger appellierte, ihren Gold- und Silberschmuck als Finanzierung für den Aufstand gegen Napoleon abzugeben. Im Gegenzug wurde den Leuten

Trauring „Gold gab ich für Eisen“ Berlin 1813

Eisenschmuck, wie z.B. Broschen und Fingerringe gegeben, oft mit der Inschrift „Gold gab ich für Eisen“ oder „Für Das Wohl des Vaterlandes“, oder mit einem Porträt von Friedrich Wilhelm III von Preußen auf der Rückseite. Bis zu dieser Zeit hatte man den Eisenschmuck nur als Symbol der Trauer getragen (wegen seiner schwarzen Farbe, die die Gussteile durch die Behandlung mit Leinkuchen bekamen)[2] und es war zu wenig wert, um die Leute zu faszinieren. Doch plötzlich wurde es zu einem Symbol des Patriotismus und der Loyalität und mit seinem offensichtlichen ästhetischen Reiz wurde er praktisch über Nacht beliebt.[1]

Die hergestellten Stückzahlen begannen nach 1850 rückläufig zu werden, dennoch wurde er immer noch weiter bis zum Ende des Jahrhunderts hergestellt, bis diese Mode endete. Folgendes ist nicht allgemein bekannt, aber im Jahre 1916 wurde in Deutschland ein weiterer, ähnlicher Versuch gestartet, um den Eisenschmuck zu fördern und den deutschen Anteil am Ersten Weltkrieg zu finanzieren. Dies wurde durch den Austausch von Goldschmuck für ein Eisenmedaillon mit folgender Inschrift getan: Gold gab ich zur Wehr, Eisen Nahm ich zur Ehr. Dieser Versuch war jedoch nicht so erfolgreich. Heutige Berliner Eisenschmuck-Stücke sind Sammlerstücke und echte Stücke werden in der Regel in Museen oder privaten Sammlungen ausgestellt. Nachbildungen werden heutzutage weitum hergestellt und sind ganz einfach zu erwerben, speziell über das Internet.[1]

 

Stile

Zuerst war der Stil der Designs Neo-Klassisch, vor allem während der napoleonischen Zeit, mit Einbeziehung von viel Laubsägearbeiten und geformten Nachbildungen von Kameen.[1]

Ab 1810 änderte sich der Stil leicht in eine Miniatur-Form des gotischen Wiederauflebens, unter Einbeziehung der Spitzbogen und Rosenfenster der gotischen Kathedralen, kombiniert mit weicheren, natürlicheren Motiven, wie Schmetterlinge, Dreiblatt (eine Pflanze mit drei Blättern, wie der Klee) und Weinblätter.[1]

Der Schmuck hat eine sehr feine und detaillierte Spitzen-Optik, doch trotz seines manchmal naiven Details wirkt er immer dunkel und düster. Dies ist vielleicht so, weil der meiste Berliner Eisenschmuck schwarz lackiert wird, um das Eisen vor dem Rosten zu schützen und seinen Zweck als morbiden Trauerschmuck zu verbessern. Nur ein paar wenige Stücke wurden mit feinen Gold- und Silberfassungen oder poliertem Edelstahl verziert. Einige wurden auch mit Medaillons besetzt, als Nachahmung der griechischen klassischen Szenen der Jasper Arbeit des berühmten Töpfers Josiah Wedgwood (1730-1795) oder den Porträtmedaillons der Zeitgenossen von James Tassie (1735-1799).[1]

 

Herstellung

Für solch komplizierte Details und dünn geschnittene Gussteile, wie beim Berliner Eisenschmuck, wurde ein sehr reines Eisen verwendet, das bis zu 0,7% Phosphor enthielt. Dies wurde getan, um das Eisen etwas flüssiger zu machen, als es beim normalen Schmelzen ist. Obwohl diese Art des phosphorischen Gusseisens ziemlich hart und spröde ist, ist dessen Stärke nicht der Hauptzweck des Metalls, wenn es als Schmuck verwendet wird. Das geschmolzene Eisen wurde in Metall-Kühlformen gegossen.[1]

 

Quellen

[1] www.fetter-and-three.co.za, Fetter-and-Three Jewellery Information Pages – Berlin Iron Jewellery.
[2] http://www.jewellerycatalogue.co.uk/antq/cut-steel-ironwork.php

 

 

 

 

Author: Lukas Steiner on 23. Juni 2013
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