Schmuck: Irischer Schmuck – Claddagh Ring

Der wohl bekannteste irische Schmuck ist der Claddagh Ring. Er steht für Liebe, Treue und Freundschaft und wird bis heute noch von vielen Iren getragen.

 

Claddagh Ring

Claddagh Ring

Claddagh Ring

Der Claddagh Ring (irisch: fáinne Chladaigh) ist ein traditioneller irischer Ring, der verschenkt wird, um Liebe, Treue und Freundschaft zu symbolisieren (die Hände repräsentieren Freundschaft, das Herz steht für Liebe und die Krone repräsentiert Treue).[1][2]

Das Design und die damit verbundenen Bräuche entstanden im irischen Fischerdorf Claddagh, welches etwas außerhalb der alten Stadtmauern von Galway lag und jetzt Teil von Galway City ist.[3] Der Ring, wie er derzeit bekannt ist, wurde zum ersten Mal im 17. Jahrhundert hergestellt. [4]

 

Beschreibung

Der Claddagh Ring gehört zu einer Gruppe von europäischen Fingerringen, die „Federinge“ genannt werden.[5][6] Der Name „Fede“ wird vom italienischen Begriff mani in fede („Hände im Glauben [vereint]“ oder „Hände [vereint ] in Treue“) abgeleitet. Diese Ringe stammen aus der Zeit der Römer, in der die Geste der umfassenden Hände ein Symbol für das Schwören war. Auch wurden sie als Verlobungs und Eheringe im Mittelalter und der Renaissance in Europa verwendet. [2][5]

Federinge werden in der Form von zwei sich umfassenden Händen gegossen, welche den Glauben, das Vertrauen oder einen Schwur symbolisieren.[7] Der Claddagh Ring ist eine Art des Federings, [8] bei dem das Hände-, Herz- und Krone-Motiv im England des frühen 18. Jahrhunderts verwendet wurde. [9]

 

Geschichte

Galway produziert Claddagh Ringe bereits ununterbrochen seit 1700 [4], doch der Name „Claddagh Ring“ selbst wurde nicht vor den 1840er Jahren benutzt. [6][10][11]

Ein Beispiel eines Herstellers ist Bartholomew Fallon, ein irischer Goldschmied aus dem 17. Jahrhundert aus Galway, der Claddagh Ringe bis um 1700 herstellte. Sein Name erscheint erstmals im Testament von Dominick Martin am 26. Januar 1676, der ebenfalls ein Juwelier war. Martin hinterließ Fallon einige seiner Werkzeuge. Fallon arbeitete bis zum Jahre 1700 als Goldschmied. Seine Stücke gehören zu den ältesten noch erhaltenen Beispielen von Claddagh Ringen. Viele davon enthalten seine Unterschrift.[12]

Es gibt viele Legenden über die Entstehung des Rings, insbesondere in Bezug auf den Silberschmied Richard Joyce aus Galway. Von ihm behauptet man, dass er um 1700 das Claddagh Design, so wie wir es kennen, erfunden haben sollte. [3] [4] Seine Initialen befinden sich auf einem der ältesten noch erhaltenen Claddagh Ringen. [6] Doch gibt es noch drei andere Ringe, welche ebenfalls um diese Zeit hergestellt wurden und das Zeichen vom Goldschmied Thomas Meade aufweisen. [6]

Eine mystischere Legende wird auch mit der Familie Joyce verbunden: Margaret Joyce verwendete ihr Erbe (von ihrem verstorbenen Ehemann Domingo de Rona, ein wohlhabender spanischer Kaufmann, der mit Galway handelte) [13], um Brücken in der Provinz Connacht zu bauen. Im Jahre 1596 heiratete sie Oliver Og French, den Bürgermeister von Galway.

Der viktorianische Antiquitätensammler Sir William Jones beschrieb den Claddagh Ring, [2] und gibt Chambers ‚Book of Days [14] als Quelle in seinem Buch Finger Ring Lore an. Jones sagt:

„Die umfassenden Hände [Stil] … sind … immer noch in Mode und im ständigem Gebrauch in [der] … Gemeinschaft [von] Claddugh [sic] bei [Landkreis] Galway …. [Sie] [verheiraten sich] selten mit anderen als ihren eigenen Leuten.“

Ein im Jahre 1906 geschriebener Bericht vom Galway-Juwelier William Dillon erzählt, dass der „Claddagh“-Ring auf den Aran-Inseln, Connemara und jenseits davon getragen wurden. [15] Die Kenntnis über den Ring und seine Bräuche verbreiteten sich während der viktorianischen Zeit innerhalb der britischen Inseln und so etablierte sich der Name.[6] Die Juweliere aus Galway fingen im 19. Jahrhundert an, ihn über das lokale Gebiet hinaus zu verkaufen.[6][16] Weitere Anerkennung fand er dann im 20. Jahrhundert.[8]

Der amerikanische Mineraloge und Ringexperte George Frederick Kunz erwähnte den Claddagh Ring nicht in seinem Buch; doch ein Foto davon, beschriftet mit seinem richtigen Namen, wird darin dargestellt.[1] Kunz deutete lediglich die Bedeutung von goldenen Eheringen in Irland an und bezog sich überhaupt nicht auf den Claddagh, außer in diesem Foto. Die Geschichte des Claddagh Rings ist so mit Mythen überladen, dass man die genaue Herkunft des Designs, abseits vom römischen Federing-Design oder seiner Geschichte, nicht bestimmen kann.[1] Darüber hinaus ist es nicht ganz klar, wie genau oder wann der Ring in die USA gebracht wurde. Interessanterweise versäumt es McCarthy praktisch komplett die irischen Ringe überhaupt zu erwähnen. [17]

 

Verwendung und Symbolik

Das unverwechselbare Claddagh-Design besteht aus zwei Händen, die ein Herz umfassen und normalerweise von eine Krone überragt werden. Den Elementen dieses Symbols werden häufig gesagt, dass sie den Eigenschaften der Liebe (das Herz), der Freundschaft (die Hände) und der Treue (die Krone) entsprechen. Ein „fenischer“ Claddagh Ring ohne Krone hat ein etwas anderes Design. Claddagh Ringe, mit oder ohne Krone, sind als Kultursymbole und/oder als Symbole der Verlobung, Heirat oder Liebe[19] relativ beliebt bei den Iren[3] und den Menschen irischer Abstammung, wie z.B. die irischen Amerikaner.[18]

Claddagh Ringe werden oft als Freundschaftsringe verwendet, doch am häufigsten als Verlobungs- oder Eheringe. In Irland, den Vereinigten Staaten und anderen Orten wird der Claddagh von Mutter an Tochter oder von Großmutter an Enkelin weitergegeben. [20] Laut dem irischen Schriftsteller Colin Murphy wird mit der Art und Weise, wie ein Claddagh-Ring getragen wird, der Beziehungsstatus des Trägers vermittelt:

– Auf der rechten Hand mit der Spitze des Herzens zu den Fingerspitzen hin: die Trägerin ist ledig und könnte nach Liebe suchen. (Dies ist am häufigsten der Fall, wenn eine junge Frau den Ring gerade von einer Verwandten erhalten hat, es sei denn, dass sie bereits verlobt ist.)

– Auf der rechten Hand mit der Spitze des Herzens zum Handgelenk hin: der TrägerIn hat eine Beziehung. (Dies deutet  an, dass das Herz des Trägers „erobert“ wurde.)

– Auf der linken Hand mit der Spitze des Herzens zu den Fingerspitzen hin: der TrägerIn ist verlobt.

– Auf der linken Hand mit der Spitze des Herzens zum Handgelenk hin: der TrägerIn ist verheiratet. [19]

Es gibt noch andere ortbezogene Varianten der Tradition, auf welche Weise der Claddagh getragen werden kann. Der Brauch des Rings ist relativ neu, nicht antik, mit „sehr wenigen einheimischen irischen Erzählungen über den Ring“. Daher ist die heutige Suche nach einer Beschreibung oder Erklärung, wie man den Ring ursprünglich trug , sehr schwer.[21]

 

Quellen

[1] George Frederick Kunz. (1911.) Rings for the Finger: From the Earliest Known Times, to the Present, with Full Descriptions of the Origin, Early Making, Materials, the Archaeology, History, for Affection, for Love, for Engagement, for Wedding, Commemorative, Mourning, Etc., J. B. Lippincott Co.
[2] William Jones. (1890.) Finger Ring Lore: Historical, Legendary, Anecdotal, Chatto and Windus, London.
[3] George Quinn. (1970.) The Claddagh Ring, The Mantle, 13:9–13.
[4] Jack Mulveen. (1994.) „Galway Goldsmiths, Their Marks and Ware“, Journal of the Galway Archaeological and Historical Society, 46:43–64.
[5] Scarisbrick and Henig, Finger Rings, Oxford: Ashmolean Museum, 2003
[6] Delamer, Ida (1996). „The Claddagh Ring“. Irish Arts Review 12: 181–187. doi:10.2307/20492901.
[7] Aubrey, John, Miscellanies, London, 1696: „I have seen some Rings made for sweet-hearts, with a Heart enamelled held between two right hands.“
[8] McCrum, Elizabeth (1985). „Irish Victorian Jewellery“. Irish Arts Review 2 (1): 18–21.
[9] Enamelled gold fede ring, set with rose-cut diamonds in silver collets, with a crowned heart held by two hands inscribed „Dudley & Katherine united 26.Mar. 1706“ — Victoria and Albert Museum
[10] A freely available but incomplete copy of Delamer’s article, The Claddagh Ring (1996), without pictures.
[11] Pearsall, Judy [ed.]. (2004.) „Claddagh Ring“ in The Concise Oxford Dictionary, Oxford University Press.
[12] Adrian James Martyn. (2001.) The Tribes of Galway, p. 60.
[13] James Hardiman (1820), The History of the Town and County of the Town of Galway, http://claddagh.com/library/joyes.htm
[14] James Mitchell. (1985.) The mis-titled „Joyce“ tomb in the Collegiate Church of St Nicholas, Galway, vol. 40.
[15] Robert Chambers. (1863.) Book of Days: A Miscellany of Popular Antiquities.
[16] William Dillon. (1906.) Journal of the Galway Archaeological and Historical Society, 5.
[17] „Letters to Dillon’s of Galway“. Thomas Dillon’s Claddagh Gold Museum.
[18] James Remington McCarthy. (1945.) Rings Throughout the Ages: An Informal History, Harper & Row, New York City, NY.
[19] Paddy Sammon. (2002.) Greenspeak: Ireland in Her Own Words, Town House Press, Dublin, Ireland. ISBN 1-86059-144-2.
[20] Colin Murphy and Donal O’Dea. (2006.) The Feckin‘ Book of Everything Irish, Barnes & Nobles, New York, NY, p. 126. ISBN 0-7607-8219-9
[21] Jo O’Donoghue and Sean McMahon (2004) Brewer’s Dictionary of Irish Phrase and Fable

Author: Lukas Steiner on 23. Juni 2013
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